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Konsensieren nach dem SK-Prinzip - eine Schritt-für-Schritt Anleitung
besteht aus 2 Teilen:
A. Kreative Kommunikation
B. Bewertung
A. Entwickeln der Vorschläge durch Kreative Kommunikation nach dem SK-Prinzip
1. Übergeordnete Fragestellung: Wenn eine Gruppe ein Problem oder eine Aufgabe lösen muss, sollte versucht werden, sich dem Thema aus einer übergeordneten Sicht mit einer weit gefassten Fragestellung zu nähern. Dadurch wird die Kreativität der Gruppe besonders angeregt. Gehen Sie nicht von einer Ja-Nein- bzw. Entweder-Oder-Formulierung aus. Versuchen Sie offene W-Fragen zu finden, zum Beispiel im Konfliktfall:
„Was können wir tun um dieses Problem für alle Beteiligten und Betroffenen zufriedenstellend zu lösen?“
Es kommt vor, dass die Gruppenmitglieder mehrere übergeordnete Fragestellungen vorschlagen. Selbst wenn nicht alle Formulierungen treffend sind, muss man sich nicht auf eine bestimmte einigen. Alle Sichtweisen können nebeneinander stehen bleiben. Die Beteiligten werden ohnehin auf jene Vorgabe hinarbeiten, die ihnen am treffendsten erscheint. Auch die Vielfalt der Sichtweisen kann die Kreativität anregen.
2. Individuelle Problemsicht: Sorgen Sie dafür, dass jede Person, sofern sie es will, ihre persönliche Problemsicht und Beurteilung der Aufgabestellung, ihre Bedürfnisse, Werte und besonderen Anliegen unbeeinflusst vorbringen darf. Die Gruppe hat aufgrund des SK-Prinzips Interesse daran, diese subjektiven Meinungen zu hören um sie in ihren Lösungsansätzen berücksichtigen zu können. Daher sollte - wie beim „Brainstorming“ - keine Meinung kritisiert, vorverurteilt oder abgelehnt werden.
3. Lösungssuche: Alle Interessierten können gleichberechtigt daran teilnehmen. Machen Sie die Beteiligten wiederholt darauf aufmerksam, dass laut SK-Prinzip jener Vorschlag gesucht wird, der von allen gemeinsam am wenigsten abgelehnt wird. Daher können nur solche Vorschläge Erfolg haben, welche die übergeordnete Fragestellung und die individuellen Problemsichten so gut wie möglich berücksichtigen. Es ist wichtig, dass dies von allen Beteiligten verstanden wird. Auch hier würde kritisieren, vorverurteilen oder ablehnen die Kreativität der Gruppe einschränken.
Jede Person kann mehrere Vorschläge einbringen. Es entsteht eine wechselseitige Inspiration aus der viele Lösungsvorschläge hervorgehen.
Bringen Sie als Ausweichmöglichkeit und Prüfstein unbedingt die „Null-Lösung“ als zusätzlichen Vorschlag ein, z.B. „Alles soll so bleiben wie es ist“, oder (immer möglich) „Treffen wir keine Entscheidung“.
Dokumentieren Sie die Lösungsvorschläge in einer vorläufigen Vorschlagsliste und machen Sie diese allen zugänglich und für alle sichtbar.
4. Vorläufige Bewertung der Vorschläge: Diese Bewertung erfordert nicht die hohe Genauigkeit der späteren endgültigen Bewertung. Je nach Größe der Gruppe könnte sie durch Vereinfachtes Konsensieren erfolgen.
Die Teilnehmer erhalten dadurch ein erstes Bild über die voraussichtliche Rangordnung der Vorschläge. Davon angeregt werden sie versuchen die Positionen ihrer Vorschläge in der Rangordnung zu verbessern. Sie haben daher Interesse in einem weiteren Schritt zu erfahren, welche Widerstände noch nicht ausgeräumt werden konnten. Das fördert nochmals den Interessenausgleich.
5. Restwiderstände: Daher werden die jetzt noch verbliebenen Restwiderstände und Einwände gegen einzelne Vorschläge vorgebracht und gesammelt. Das erfordert keine Diskussion, sondern das Bemühen, das Vorgebrachte zu verstehen und zu verarbeiten.
6. Vorschläge anpassen: Geben Sie allen die Möglichkeit anhand der entstehenden neuen Erkenntnisse ihre Vorschläge anzupassen, zurückzuziehen oder neue einzubringen.
7. Endgültige Vorschlagsliste: Dokumentieren Sie die endgültigen Vorschläge und bereiten sie die Vorschlagsliste für die Bewertung vor. Die Vorschlagsliste sollte mindestens drei Alternativen enthalten.
B. Bewerten der Vorschläge nach dem SK-Prinzip
Eine gültige Vorschlagsliste muss vorliegen. Sie sollte mindestens drei Alternativen enthalten.
1. Bewertungsgrundlagen: Jeder Vorschlag ist mit einer zehnteiligen Ablehnungs-Skala von Widerstandsstimmen (W-Stimmen) zu bewerten:
0 W-Stimmen bedeuten: Ich habe nichts gegen diesen Vorschlag einzuwenden.
10 W-Stimmen bedeuten: Ich lehne diesen Vorschlag entschieden ab.
Zwischenwerte werden nach Gefühl vergeben. Diese Werte sind von den Beteiligten den einzelnen Vorschlägen zuzuordnen.
2. Sinnvolle Bewertung: Es ist sinnvoll, sich mit allen Vorschlägen eingehend zu befassen und sie nach eigenem Urteil sorgfältig zu bewerten um nicht ungewollt eine Entscheidung zu unterstützen, die man nicht mittragen möchte. Mehreren Vorschlägen gleiche Bewertungen zu geben oder sie total abzulehnen, sollte man sich gut überlegen. Denn damit liefert man keine unterschiedlichen Entscheidungsinformationen und überlässt dadurch automatisch den anderen die Entscheidung über die Reihung dieser Alternativen. Wenn man jedoch nach reiflicher Überlegung mehreren Vorschlägen 0 W-Stimmen zuordnet, ist dies ein positives Signal an die Gruppe, mit dem man seine Bereitschaft ausdrückt, jede dieser Möglichkeiten mit zu tragen, sollte sie durch die anderen Beteiligten konsensiert werden.
3. Gruppenwiderstand: Zählen Sie die W-Stimmen aller Teilnehmer je Vorschlag zusammen. Durch diese Summen erhalten Sie eine Reihung der Vorschläge hinsichtlich ihrer Ablehnung durch die gesamte Gruppe.
4. Konsensierte Lösung: Als konsensiert gilt jener Vorschlag, der die wenigsten W-Stimmen erhalten hat, also in der ganzen Gruppe die geringste Ablehnung hervorruft.
5. Normierter Widerstand: Wenn Sie die W-Stimmen-Summe jedes Vorschlags durch die Zahl der Teilnehmer dividieren, erhalten Sie dessen normierten Widerstand. Es ist der Widerstand, den der Vorschlag in der Gruppe im Schnitt erhalten hat. Er liegt innerhalb der zehnteiligen Ablehnungs-Skala, von der alle ausgegangen sind, die sie also dem Gefühl nach kennen. Durch ihn werden Konsensierungen verschiedener Probleme und Gruppengrößen vergleichbar.
6. Entscheidung: Der konsensierte Vorschlag gilt als beschlossen, sofern sein normierter Widerstandswert niedriger ist als jener der Null-Lösung. Falls er eine mittlere Ablehnung überschreitet, bietet sich eine weitere Lösungssuche als Ausweg an.
Falls der Prozess moderiert abläuft, kann er schriftlich und im Bedarfsfall völlig anonym erfolgen. Die Gruppenmitglieder können ihre geheimsten Motive berücksichtigen, ohne diese offen legen oder darüber diskutieren zu müssen, oder wegen ihrer Einstellungen gar Scham und Angst zu empfinden. Das zeigt ihnen, dass auch ihre geheimsten Gefühle von Wert sind. Sie können sich mit ihrer gesamten Persönlichkeit so wie sie sind von der Gruppe angenommen fühlen, sich dort leichter einbringen und kreativ mitwirken. Durch anonymes Konsensieren erhält man ein unverzerrtes Abbild der Gruppenstimmung und der Gruppenmeinungen, von denen die Entscheidung getragen sein wird.
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